Sonntag, 20. März 2011

Die Kakteen stechen heute aber mal wieder tief!

Das kommt davon, wenn man die Drohungen des Kaktuswächters nicht ernst nimmt!
Ich war auf der Suche nach dem perfekten Foto. Sonnenuntergang in Arizona, im Vordergrund einige Saguaro-Kakteen. Was ein tolles Motiv!
Und so hatte ich Caro in unserer Unterkunft zurück gelassen, fuhr mit Rambo ein Stückchen in die Wildnis hinein, parkte und begab mich auf die Reise. Hinein in die Kaktusfelder, dort wo die Klapperschlangen hausen, Taranteln unter der Erde leben und die Kojoten nachts im Chor den Mond anheulen. Schritt für Schritt tauchte ich tiefer ein in den Kakteenwald, überquerte ausgetrocknete Bachläufe und kletterte über einige Felsbrocken.
Der Kaktuswächter
Ich war gut in Fahrt, hatte bereits ein paar tolle Fotos geschossen. Und bald würde die Sonne den Himmel endgültig in blutiges Rot tauchen. Ich habe mich hier in den USA und besonders in den wüsten Gegenden New Mexikos und Arizonas schon oft gefragt, ob wir in Deutschland auch so tolle Sonnenuntergänge haben. Ich habe es schlichtweg inzwischen vergessen...hier jedenfalls ist jeden Abend auf``s Neue Zeit für einen spektakulären Himmel.
Gerade wollte ich von mir ein Selbstauslöserfoto machen, denn es gibt irgendwie wenig Fotos von mir. Das liegt zum Einen daran, dass Caro und ich nicht gerne fotografiert werden und zum Anderen daran, dass wir auch nicht wirklich fotogen sind. Doch ich hatte zufällig eine perfekte Location gefunden und würde nun mal ein Foto machen, auf dem ich richtig gut aussehen würde - zumindest für meine Verhältnisse: Ich auf einem Felsen, im Hintergrund die Saguaros vor dem Hintergrund einer untergehenden Sonne. Fantastisch! Ich platzierte also die Kamera, stellte den Selbstauslöser ein, drückte ab, und - Akku leer! "Nein, das darf doch jetzt nicht wahr sein", dachte ich mir noch...doch natürlich änderte ich damit nichts an der unabänderlichen Tatsache: Zum ersten Mal seit ich die Kamera besitze ging mir doch tatsächlich der Akku leer, und dass auch noch hier an diesem Platz zu dieser Zeit! "S***!"
Etwas verärgert schaute ich noch ein wenig der Sonne zu und schlappte wieder Richtung Rambo...nicht mehr ganz so konzentriert auf den Boden achtend.
Und, na klar - ich wurde umgehend für meine Unachtsamkeit bestraft: Plötzlich fühlt sich das Laufen weicher an, und als ich zu meinen Schuhen hinuntersah, hingen drei dicke fette Kaktusballen an den Schuhen. Die waren bestimmt von diesen komischen Kakteen, die aussehen wie kleine Palmen...hm...also erstmal die Idiotenmethode versuchen: Den Kaktus mit der Hand entfernen.
"Au!"
Verdammt, die Stacheln waren fürchterlich aggressiv. Sofort hatte ich ein paar davon in der Hand hängen...ich versuchte sie heraus zu ziehen, doch die Stacheln schienen an den Enden Widerhaken zu besitzen. Und so zog und und zog ich und meine Haut zog sich auch immer weiter, bis sich die Stacheln unter ziemlichen Schmerzen lösen liessen und dicke Blutstropfen auf meinen Händen hinterliessen.
Und noch hingen die drei Dinger an meinen Schuhen...
Ok, dann eben anders: Flache Steine nehmen. Stöcke gibt es hier ja nicht, hat ja alles Stacheln.
Also habe ich mir zwei Steine genommen, die Stachelballen jeweils zusammengedrückt, und mit einem Ruck aus dem Schuh gezogen.
Nummer Eins lief wie am Schnürrchen. Nummer Zwei war etwas störriger. Und Nummer Drei? Nun - die Kaktuskugel löste sich tatsächlich...und dann flog sie und flog und flog, bis sie von einem Gegenstand am Weiterfliegen gehindert wurde. Der Gegenstand war - mein linkes unteres Bein! Fragt mich nicht, wie man sowas fertig bringt. Glaubt es einfach.
"Au! Au! Verdammt!"
Die Idylle des Sonnenuntergangs beeindruckte mich langsam nicht mehr. Nun stand ich hier in der Wildnis und hatte am Fuss dieses Kaktusding hängen, und es stach fürchterlich. Ich durfte gar nicht an die Widerhaken denken...bestimmt hingen um die zwanzig der Stacheln nun in meiner Haut!
Ich durfte nicht drüber nachdenken. Einfach ein Kerl sein. Die zwei flachen Steine nehmen und das Teil rausziehen...
Und dann zog ich. Die Stacheln hingen in meiner Haut und wollten um`s Verrecken nicht raus, und es schmerzte wirklich fürchterlich. Ich zog weiter. Die Haut spannte sich immer mehr, die Stacheln der Kugel waren richtig fest verhackt. Dann endlich hatte ich sie: Mit einem hörbaren Riss löste sich der Kaktus von meinem Bein, hinterliess einige Stacheln und etliche blutende Punkte..."Ahhhhhhh!". Aber der Schmerz war mir jetzt egal...mit nachlassender Motivation zog ich mir noch die restlichen Stacheln aus der Haut (ich nahm nur noch ein leises Zupfen wahr), und schlurfte mit pochendem, blutendem Bein Richtung Rambo, endgültig demotiviert und die schöne Landschaft ignorierend. Später sollte sich an meinem Bein noch eine Schwellung befinden, die allerdings nach einiger Zeit langsam abklang.

Und so habe ich nicht wirklich all die Fotos gemacht, die ich machen wollte (zum Glück aber wenigstens ein paar) - hatte aber trotzdem ein einmaliges Erlebnis mit den Kakteen Arizonas! ;-)




Kommentare:

  1. Also die Bilder sind WIE IMMER DER HAMMER!
    Aber aua!!!!
    Wir mussten ja erst schmunzeln, wie du das geschafft hast...
    aber ganz ehrlich: jetzt haben wir großes Mitleid! :-(
    Pusti pusti!!! :-(
    Gruß Mike + Alex

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  2. Das mit den stacheln kenne ich, tut 3tage weh
    danach wieder alles beim alten hoffe ich mal.
    ciao u . Grüße Bella u.Peter

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